Schmalspur- und Museumsbahn-Nachrichten
Feldbahnmuseum Herrenleite/Historische Feldbahn Dresden e. V. (HFD)
Zu Pfingsten lud der Verein anlässlich des 20. Jahrestages der Eröffnung des Feldbahnmuseums Herrenleite zu einer großen Feldbahnschau ein. An den drei Ausstellungstagen besuchten in Summe etwa 1700 Gäste das Museum, in dem die Vereinsmitglieder bei bestem Ausflugswetter ein umfangreiches Programm boten. So fand fast durchgängig ein Zwei- bzw. Dreizugbetrieb mit Personen- und authentischen Feldbahnzügen statt, ebenfalls gut besucht waren die Vorträge zur Vereinsgeschichte und zur Dresdner Trümmerbahn . Bei den moderierten Lokparaden präsentierten die Feldbahner bis zu 15 betriebsfähige Fahrzeuge.

Außerhalb solcher Großveranstaltungen kommen im Rahmen angemeldeter Familienfeiern und Gruppenausflüge zunehmend mehr Besucher während der regulären sonnabendlichen Öffnungszeiten in die Herrenleite. So war Anfang Juli eine „Selbsthilfegruppe Rost und Öl“ mit etwa 25 historischen Lkw und mehr als 50 Personen im Feldbahnmuseum zu Gast. Dabei boten die Vereinsmitglieder diesen Besuchern neben Führungen und Fahrbetrieb auch Mittagessen sowie Kaffeetrinken an. In der Werkstatt des Feldbahnmuseums konzentrieren sich die Arbeiten auf zwei Triebfahrzeuge: auf die vom Besucherbergwerk Ilfeld-Netzkater übernommene Akkulok AM8, die vom Schachtbau Nordhausen stammt, sowie auf die ursprünglich in einem Bergbaubetrieb in den Vogesen eingesetzte Diesellok vom Typ RL 1 c (O & K 1937/7526, HFD-Lok Nr. 118) Deren Motor absolvierte kürzlich einen erfolgreichen Probelauf. Nun stehen Probefahrten und die weitere Komplettierung (Kühlwasseranlage, Tank, Motorvorbau) dieser Maschine an. Zur betriebsfähigen Aufarbeitung der Akkulok sind hingegen noch umfangreichere Arbeiten erforderlich. In den vergangenen Monaten erfolgten Arbeiten an wesentlichen elektrischen Komponenten (Fahrwiderstände, Fahrmotor und Fahrschalter). Die Baugruppen des Fahrschalters weisen teils umfangreiche Korrosionsschäden auf, da die Lok mehrere Jahre ungeschützt unter freiem Himmel stand. Die Fahrwiderstände haben Vereinsmitglieder demontiert und zerlegt. Den ersten von zwei Fahrmotoren, der voll Wasser gelaufen war, bauten sie aus und zogen den Läufer aus dem Ständer. Nach dem Reinigen des Läufers drehten die Aktiven den Kollektor auf der Drehmaschine ab und erneuerten den Isolierlack der Wicklungspakete des Läufers. Die Achslager der Lok reinigten sie und füllten neues Schmiermittel ein.
Vereinsgelände



Auf dem Areal des Feldbahnmuseums befinden sich mehrere ehemalige Sandsteinbrüche. Aus dieser Zeit ist auf dem Museumsgelände neben den Bruchwänden und Halden auch die Trasse eines ehemaligen Bremsberges erhalten geblieben. Dieser diente früher zum Überwinden des Höhenunterschiedes zwischen dem Abbauort des Sandsteines und der Verladestelle. Eine talwärts fahrende beladene Lore zog dabei mittels höherem Eigengewicht eine leere Lore auf einem parallel liegenden Gleis bergwärts. Je nach örtlicher Situation in den verschiedenen Steinbrüchen konnten auch mehrere Wagen gleichzeitig befördert werden. In der Sächsischen Schweiz waren die Bremsberge allerdings oft so steil, dass die Loren nicht direkt die Steigung hoch- und herunterlaufen konnten, sondern auf einer speziellen Bühne mit einem Gleisjoch stehen mussten, welche die starke Neigung des Bremsberges ausglich. Mittels einer Bremsvorrichtung konnte die Geschwindigkeit der Bremsbergbühnen reguliert werden, ein maschineller Antrieb war nicht erforderlich. Im Falle des Bremsberges im Feldbahnmuseum lag die Talstation an den Gleisen der 4,8 km langen Regelspurstrecke Pirna-Copitz – Herrenleite (PH-Linie), die der sächsische Staat im Jahr 1907 zur Abfuhr der Sandsteine aus den zahlreichen Brüchen bauen ließ.


Drei originale Bremsbergbühnen befinden sich seit längerem im Eigentum des Feldbahnvereins: zwei aus den Teichsteinbrüchen in Schöna und eine aus dem Hankesteinbruch in Wehlen. Vom Bremsberg im Museumsgelände existieren die speziellen technischen Ausrüstungen sowie Gleise und Bühnen nicht mehr, aber die Vereinsmitglieder haben in den vergangenen Monaten imposante mit Sandstein ausgelegte Flächen, Stützmauern und Fundamente der Anlage in mühevoller Arbeit von einer dicken Humusschicht befreit. Aktuell wird die Verladerampe am Regelspurgleis endgültig freigelegt und es werden fehlende Teile ergänzt. Eine Entscheidung zur Ergänzung der fehlenden Technik des Bremsberges ist auf Grund des erheblichen Aufwandes bisher nicht gefallen.
Die nächste Veranstaltung sind die Sommerfahrtage am 26. und 27. August jeweils von 10 bis 18 Uhr mit Fahrbetrieb des Besucherzuges, wechselnden Feldbahnzügen sowie Fahrzeugausstellung und Führungen. Danach lädt das Feldbahnmuseum regulär noch bis Ende September jeweils sonnabends von 14 bis 18 Uhr zum Besuch ein. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.feldbahnmuseum-herrenleite.de.
16.08.2023