Eisenbahn-Geschichte
100 Jahre Thüringer Bergbahn – Jubiläumsfeier mit Gastlokomotive aus Bayern
Am Wochenende 16.–18. Juni 2023 wurde das 100. Jubiläum der bis 2020 Oberweißbacher Bergbahn genannten DB-Anlage volksfestartig gefeiert. Die Organisatoren warteten mit vielfältigen Angeboten auf – Musik, Tanz, Marktstände, Kulinarisches. Ein Theaterstück thematisierte die Gründungsgeschichte der Bergbahn in schwieriger Zeit. Der Höhepunkt für die aus nah und fern angereisten Eisenbahnfreunde war der Einsatz der Dampflokomotive „Luci“. Orenstein & Koppel baute sie 1916 in Breitspur für ein russisches Unternehmen, der 1. Weltkrieg verhinderte den Export. Am Festwochenende erinnerte sie an den B-Kuppler 712 bzw. 98 6009 (Smoschewer Breslau), der von 1922 bis 1958 hier fuhr.
Das Besondere der Bahnanlage

Die Kombination aus Standseilbahn/Steilstrecke und Eisenbahn/Flachstrecke sucht ihresgleichen: Schienenfahrzeuge können von der Standseilbahn auf die Eisenbahn übergehen.
Die Steilstrecke

Im Gegensatz zu den meist für den Tourismus errichteten Standseilbahnen wurde die in Thüringen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen geplant. Auf der Hochfläche des Schiefergebirges entstandene Produkte sollten günstig und sicher zu Tal gebracht werden – auch im Winter. Ihr Seil bewegt nicht zwei Personenwagen, sondern einen Personenwagen und eine ebenfalls 1800-mm-spurige Güterbühne. Diese ist mit einem regelspurigen Gleis ausgestattet und kann auf der Schwarzatalbahn ankommende regelspurige Güterwagen aufnehmen. Dazu existiert an der Talstation Obstfelderschmiede eine über eine Drehscheibe zu erreichende Gleisverbindung zur Schwarzatalbahn. Heute pendelt die Güterbühne in der Regel mit einem geschlossenen oder einem offenen Personenwagen auf und ab. Die mit einer abtschen Ausweiche ausgerüstete Steilstrecke überwindet eine Höhendifferenz von 323 m, die Fahrt dauert 18 Minuten. In den Jahren 2001/02 wurden die Strecke, die Fahrzeuge und die in der Bergstation untergebrachte Antriebstechnik umfassend modernisiert. Seitdem wird die Anlage aus den Seilbahnwagen heraus gesteuert, der Maschinenraum ist unbesetzt.
Die Flachstrecke

Die in der Bergstation Lichtenhain von der Steilstrecke übernommenen Güterwagen konnten hier, in Oberweißbach-Deesbach sowie in Cursdorf, be- und entladen werden. Heute befahren Triebwagen die 2,6 km lange elekrifizierte Regelspurstrecke zwischen Lichtenhain und dem 16 m höher liegenden Cursdorf in acht Minuten, tagsüber halbstündlich. Die drei Triebwagen entstanden im Raw Berlin-Schöneweide. Deshalb ähneln sie äußerlich dort gewarteten DDR-S-Bahn-Wagen. Seit 2016 begeistert der zum „Olitätenwagen“ modifizierte ET 479 205-7 seine Fahrgäste. Er hat nur noch auf der Cursdorfer Seite einen Führerstand, unverglaste Seitenfenster und ein Glasdach – ohne Stromabnehmer. Den Strom bezieht er vom gekuppelten Tw, seine Sitze wurden um 90 Grad gedreht montiert.
Weiteres zur Anlage unter edition99.de
Quellen
- Michael Kurth: Die Oberweißbacher Bergbahn, EK-Verlag Freiburg 1998, ISBN 3-88255-433-9
- www.thueringerbergbahn.com
16.08.2023