Bücher-Markt
Rezensiert: Die Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein
Peter Wunderwald, Wolfram Wagner
Die Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz – Frauenstein
Herausgegeben aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums der Bahneröffnung
280 Seiten, Format 21 x 30 cm, Hardcover mit 185 Farb- und 236 Schwarzweißfotos, 31 Zeichnungen sowie 5 Karten Wunderwald Bahnbücher, Nossen 2023. ISBN: keine Preis: 56,– Euro
Die am 15. September 1898 eröffnete sächsische KF-Linie vom höchsten Punkt der Strecke Dresden – Werdau in Klingenberg-Colmnitz auf die Höhen des Osterzgebirges in Frauenstein wird seit Sommer 2023 mit einer ausführlichen Streckenmonografie gewürdigt.

Wieviel Recherchearbeit für diese hochwertige Streckenchronik nötig war, erkennt man bei einem Vergleich mit ihrem direkten Vorgänger-Heft im gleichen Format von 1998, welches es gerade einmal auf 48 Seiten brachte. Dass das hier besprochene Buch hingegen vom Umfang einer Doktorarbeit gleicht, wie es das Vorwort stolz beschreibt, ist genauso unangebracht wie die Ausführungen zur gendergerechten Sprache, die wirklich niemand von einem solchen Werk erwartet.
Aber lassen wir besser das Vorwort hinter uns und steigen ein in die umfangreiche Darstellung der Geschichte dieser knapp 20 km langen Bahn, die weder mit aufwändigen Kunstbauten noch mit besonders romantischen Streckenpassagen auftrumpfen konnte und deren Bedeutung vor allem für den Güterverkehr bestand. Letzter wurde ausschließlich mit schmalspurigen Wagen abgewickelt, weshalb im Ausgangsbahnhof Klingenberg-Colmnitz diverse Möglichkeiten zur Umladung bestanden. Ab den 1920er Jahren kamen durch den aufkommenden Wintersport auch zunehmend Touristen nach Frauenstein und brachten dem weniger bedeutenden Personenverkehr neue Impulse. Durch die kilometerlange Streckenführung auf der Hochebene war dies jedoch auch die Jahreszeit für meterhohe Schneeverwehungen und damit einhergehende Betriebsstörungen. Eine weitere Besonderheit war die knapp einen Kilometer lang parallel verlaufende Linie nach Oberdittmannsdorf, wodurch eindrucksvolle Doppelausfahrten am Ausgangspunkt der Strecke zum Alltag gehörten. Nicht alltäglich hingegen war das Ende dieser Schmalspurbahn, deren Bild vor allem von den seit 1922 dort eingesetzten Loks der sächsischen Gattung VI K und deren Nachbauten geprägt wurde: Durch vernachlässigten Oberbau und zu hohe Geschwindigkeit entgleiste am 20. Oktober 1971 die heute in Jöhstadt beheimatete 99 1715-4 und stürzte um – der Verkehr auf der Schiene wurde danach einfach nicht wieder aufgenommen.
Ansonsten ist dieses zwölfte gemeinsame Werk mit Wolfram Wagner ein typisches „Wunderwald-Buch“: Gut erzählte und aufgearbeitete Geschichte mit vielen historischen Dokumenten, Anekdoten, Ausflügen zu anderen Bahnprojekten und natürlich mit einem erschöpfenden Kapitel zur Bahnpost. Die bekannten und erstveröffentlichten Fotos sind gut, jedoch nicht immer mit ihrem vollen Potenzial reproduziert, die Bildunterschriften fallen teilweise etwas knapp aus.
16.08.2023