Schmalspur- und Museumsbahn-Nachrichten
Zur Umgestaltung des Bahnhofes Carlsfeld
Im PK 192 kommentierten zwei Redaktionsmitglieder auf Seite 18 das WCd-Festival vom ersten Juni-Wochenende 2023 sowie die im Juni in Carlsfeld abgeschlossene Umgestaltung des Bahnhofes. Bei dieser ging die Gleisverbindung vom „Lokschuppengleis“ zu den zwei im Jahr 2004 mit Fördergeldern wiederaufgebauten „Bahnsteiggleisen“ verloren. Da wenige Millimeter hinter den Zungen der diese beiden Gleise verbindenden Weiche das Gleis endet, ist diese Weiche dort faktisch nutzlos – ein Gleiswechsel von Fahrzeugen nicht mehr möglich. Gastfahrzeuge könnten also lediglich noch jeweils eines der drei Gleise befahren. Dafür verwenden Besucher des Bahnhofes im besten Fall gemäßigte Worte wie „Schildbürgersteich“, zitierte die Redaktion im PK 192. Sie stellte aber das der zuständigen Stadtverwaltung Eibenstock unterstellte Desinteresse an der Schmalspurbahn in Carlsfeld in Frage und kündigte an, die Stadtverwaltung um eine offizielle Stellungnahme zu bitten. Bereits im Juli erreichte die PK-Redaktion daraufhin eine Antwort von Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab. Als die Redaktion den FHWE über diese Stellungnahme informierte, erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen, welche die Sachlage teils in ein neues Licht rücken.

Hier zunächst der Wortlaut der am 9. Juli 2023 eingegangenen E-Mail von Eibenstocks Bürgermeister: „Gemäß Ihrer Anfrage möchte ich Ihnen mitteilen, dass in der Planung für den Platzneubau sogar ein Gleis-Zubau vorgesehen war. Warum der zuständige FHWE dies nicht realisierte, entzieht sich meiner Kenntnis. Hierzu bitte ich Sie höflichst beim Vereinsvorsitzenden Herrn Marco Drosdeck nachzufragen. Vielen Dank. Mit herzlichem Glück auf!“
Die erste Reaktion des Vorsitzenden des Fördervereins Historische Westsächsische Eisenbahnen e. V. (FHWE) auf diese Stellungnahme zu zitieren, wäre kontraproduktiv – zumal subjektiv. Die folgenden sachlichen Angaben von Marco Drosdeck stimmen jedoch ebenfalls nachdenklich. So gab er an, dass für den Umbau des in Kommunaleigentum befindlichen Endbereiches des Bahnhofes Carlsfeld ausschließlich Straßenbauarbeiten förderfähig gewesen wären – kein Gleisbau. Trotzdem habe er vor Beginn des Umbaus der leitenden Ingenieurin mehrere Vorschläge zu einer aus seiner Sicht sinnvolleren Umgestaltung der Gleise 1 und 2 vorgelegt, deren Gleisbauarbeiten dann der FHWE hätte bezahlen müssen. Doch die betreffende Dame wäre auf keinen dieser Vorschläge eingegangen, wogegen dem Verein – wie zur Kürzung des auf Gemeindegelände verlegten Gleises 1 um etwa 15 m – jegliche Handhabe fehlte.
Allerdings sei eben diese Kürzung für den FHWE langfristig gar nicht so bedeutsam, da sie zwar die aktuelle Nutzbarkeit der gegenwärtig vorhandenen Gleise reduziert, aber dem langfristigen Vereinsziel nicht völlig zuwiderlaufe. Dieses Ziel lautet „originalgetreuer Wiederaufbau des Bahnhofes Carlsfeld mit vier Gleisen“. Die mit schwarzen Linien die von 1919 bis 1968 vorhandene Gleislage darstellende Skizze zeigt auf, dass es sich bei Gleis 1 historisch gesehen lediglich um ein Ladegleis handelte, welches wie die drei übrigen Gleise ab 1919 stumpf endete. Der ab 1897 die Gleise 1 und 2 verbindende Drehwinkel war nach dem Ersten Weltkrieg entfallen.
Die zentrale Bedeutung zum Umsetzen der auf Gleis 2 eingefahrenen Lokomotiven, aber auch für den Anschluss zum Glaswerk und Basis für eine Verbindung mit dem Gleis 4 vor dem Lokschuppen besaß das derzeit noch vollständig fehlende Gleis 3.

Berücksichtigt man, dass eben dieses Gleis 3 noch zu errichten ist, dann versteht man den im Jahr 2021 erfolgten Umbau des 2004 verlegten Gleises 4. Dieses vom Lokschuppen nun in gerader Linie nach hinten (in Richtung Kirche) führende Gleis wurde im Jahr 2021 im Auftrag des FHWE umverlegt bzw. verlängert. Die Kosten summieren sich dafür auf mehrere Tausend Euro, da der hintere Bereich in den Jahren 2022/23 eingepflastert werden musste – trotzdem ließ der FHWE diese Arbeiten ausführen, da dieses Gleis so an historisch korrekter Stelle und in seiner einstigen Länge liegt.
Die Verbindung vom Gleis 4 zum Gleis 3 gewährleistete bis zum Gleisabbau Ende der 1960er Jahre eine auf halber Länge in Richtung Schönheide abzweigende Weichenstraße, deren Wiederaufbau unter anderem die Kosten neuer 750-mm-Weichen ausbremsen. Daher strebt der FHWE eine Umsetzung der aktuell vor dem Parkplatz liegenden Linksweiche auf Höhe des Lokschuppens an, wo sich einst eine solche Weiche befand – vor dem Parkplatz hingegen nicht …
Fazit: Es war also der FHWE, der im Jahr 2021 die Verbindung zwischen dem Lokschuppengleis und den Bahnsteiggleisen aufgegeben hat – nicht die Stadtverwaltung Eibenstock, welcher Marco Drosdeck fehlendes Interesse an seinen Plänen unterstellt. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Kommune ihrerseits dem Verein auch nicht gerade entgegengekommen ist und sich mit der Kürzung des Gleises 1 auf eigenem Grund und Boden ein Eigentor geschossen hat. Ein klassisches Patt? Ja, denn es gibt mehrere Lösungen, um das Vorhandensein der praktisch nicht mehr miteinander verbundenen Gleise 1, 2 und 4 nicht ad absurdum zu führen. Daher bleibt dem FHWE und der Stadtverwaltung Eibenstock nur eine baldige finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau des Gleises 3 und zur Beschaffung von Weichen zu wünschen! Denn das würde sowohl den Verein als auch die Kommune in Carlsfeld wirklich voranbringen.
17.10.2023