Preßnitztalbahn aktuell
99 1608-1 der Deutschen Bahn AG bei der Preßnitztalbahn im Einsatz
Zu einer Aktualisierung der Stationierungsgeschichte der sächsischen Schmalspurlokbaureihe IV K besteht Handlungsbedarf, seitdem am 26. März 1997 die letztgebaute IV K, 99 1608-1, erstmals die erzgebirgische Preßnitztalbahn erreichte.
Seit ihrer Montage in der Lokomotivschmiede „Sächsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG Chemnitz“ im Jahre 1921 war die Lok quer durch Sachsen eingesetzt. Nachdem sie quasi als Nachzügler fünf Jahre nach der vorletzten Lok aus noch vorhandenen Teilen montiert und bei der sächsischen Staatseisenbahn noch unter der Nummer 198 eingereiht wurde, hatte sie ihre ersten Betriebseinsätze bis zum Jahre 1926 beim Bw Zittau zu bewältigen. Von 1926 bis 1928 war die Lok der benachbarten Schmalspurbahn schon einmal ziemlich nahe gekommen, das damalige Bw Buchholz setzte die Lok in diesem Zeitraum auf der Strecke Cranzahl - Oberwiesenthal ein. Nach einem kurzen, nicht zweifelsfrei geklärten Einsatz im Raum Mügeln (wahrscheinlich aushilfsweise) wurde die Lok von 1930 bis 1945 wiederum im Erzgebirge auf der neun km langen Strecke zwischen Grünstädtel und Oberrittersgrün eingesetzt. Ab 1945 konzentrierte sich der Einsatz der Lok im weiteren wesentlich auf das Mügelner Netz. Zwischen Strehla, Neichen, Kroptewitz, Lommatzsch, Meißen, Nossen und Döbeln war die Maschine bis 1989 zu beobachten, zeitweise wechselte hier die Zuordnung zu den Einsatzstellen (so war sie u.a. von 1947 bis 1951 in Döbeln, 1955 im Lommatzsch beheimatet).

Im Jahre 1964 erfolgte im Rahmen einer fälligen L7 an der Lokomotive der als Rekonstruktionmaßnahme bekannt gewordene Neubau von Rahmen und Kessel, der von der ursprünglichen Lok gleicher Nummer nicht allzu viel Teile übrig ließ. Per 17. Mai 1964 bestätigte das Raw Görlitz die Rekonstruktion der 99 1608-1.
Danach kam die Lok wiederum in´s Mügelner Netz und erlebte hier auch den Rückgang der Schmalspurbahn - stationiert im Lokschuppen in Mügeln. Nach der Stillegung der Schmalspurbahn Wolkenstein-Jöhstadt als letztem Domizil der IV K im Erzgebirge und der Umsetzung zahlreicher Maschinen zur letzten IV K-Einsatzstelle nach Mügeln herrschte hier ein permanenter Loküberhang, der auch die Einsatztage der 99 1608-1 gegenüber den vorhergehenden Jahrzehnten reduzierte. Von 1990 bis 1991 weilte die Maschine zum Einen wegen des Loküberangebotes in Mügeln und zum anderen der Suche nach neuen Einsatzfeldern der Baureihe IV K auf der Strecke Cranzahl - Oberwiesenthal, wurde jedoch durch 99 1586 auf dieser Linie abgelöst und noch einmal für kurze Zeit nach Mügeln versetzt. Mit der Reduzierung des Lokumfanges in Mügeln durch Verkäufe (99 1542, 99 1568, 99 1582, 99 1585) sowie der Vorbereitung auf die Privatisierung der Döllnitzbahn (bei vereinbarter Übergabe von drei IV K-Maschinen an den neuen Betreiber) gelangte letztendlich zur neuen Heimatstelle in Freital-Hainsberg.
Durch intensives Engagement verschiedener Eisenbahner der Weißeritztalbahn und beim Geschäftsbereich Traktion/Nahverkehr konnte die Lok 99 1608-1 Ende 1996/Anfang 1997 vorfristig für eine Hauptuntersuchung dem Werk Görlitz-Schlauroth zugeführt werden, um hier noch einmal die Möglichkeiten der langjährigen Erfahrungen der IV K-Aufarbeitung vor der Schließung des Werkes zugunsten einer langfristigen Erhaltung des Fahrzeuges zu nutzen.
Da der im Werkvertrag zur Aufarbeitung der 99 1568-7 der IG Preßnitztalbahn genannte Zeitrahmen durch das Werk aufgrund des hohen Auftragsstandes und der ständig weitergehenden Reduzierung des Stammpersonals nicht gehalten werden konnte, vereinbarte der Vorstand des Vereins mit dem Werk Görlitz und dem Eigentümer, dem Regionalbereich Sachsen des Geschäftsbereiches Nahverkehrs der DB AG, die Möglichkeit des kurzzeitigen Einsatzes der 99 1608-1 auf der Preßnitztalbahn. Dank auch der Unterstützung durch die Eisenbahner der Weißeritztalbahn absolvierte die Lok auf der Preßnitztalbahn am 27. März 1997 ihre Lastprobefahrt. Bereits zu Ostern im Einsatz zu beobachten, wird die 99 1608-1 nach den Pfingstfahrtagen auf der Preßnitztalbahn wieder nach Freital-Hainsberg überführt.
14.04.1997