Editorial
Liebe Preß-Kurier-Leser,
bekanntermaßen widmen wir uns inhaltlich im PK schwerpunktmäßig schmal- und regelspurigen Eisenbahnthemen mit einer gewissen Dominanz für Sachsen – aber eben nicht nur. Diesmal bleibe ich mit meinem Einstieg ins Heft jedoch ganz in Sachsen, um auf einige der sieben existierenden Straßenbahnbetriebe mit vier verschiedenen Spurweiten zu blicken, die zwischen 1872 und 1898 den Betrieb aufnahmen und noch heute das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs in den Städten bilden.
Ein vorrangig im Sportgeschehen tätiger Redakteur der „Sächsischen Zeitung“ stellte kurzerhand im Juli mit polemischen Worten die Notwendigkeit der Straßenbahn in Görlitz in Zweifel „… Straßenbahnen sind tonnenschwere Monster. Niemand kann erklären, dass es sinnvoll und ökonomisch ist, Dutzende Tonnen Stahl durch die Stadt zu fahren, um zu bestimmten Zeiten eine Handvoll Fahrgäste und ganz viel Luft zu transportieren …“ und meinte damit vielleicht im Sinne seines Verlages eine Debatte anzuregen. Allerdings mangelte es dieser Anregung an Fakten und debattierbaren Argumenten.
Insbesondere in Görlitz und Zwickau bestehen erhebliche Ängste bei den Straßenbahnern, dass das Insolvenzverfahren des Herstellers der in Auftrag gegebenen neuen Bahnen, der HeiterBlick GmbH in Leipzig, zu langfristigen Problemen bei der Verfügbarkeit im Betrieb führt. In Dresden führt die auflaufende Unterfinanzierung zu einem intensiven Austausch über Leistungsreduzierungen beim Verkehrsangebot in Öffentlichkeit sowie in der Politik. In Plauen starteten im August die Mitarbeiter des Straßenbahnbetriebes gar eine Petition wegen des gefährdeten Weiterbestandes. Bis Ende 2026 droht die Insolvenz, wenn der Mini-Verkehrsverbund VVV und der Kreistag im Vogtland nicht endlich seiner Funktion und Verpflichtung nachkommen, für die angemessene Finanzierung zu sorgen, derer man sich seit dem Verlust der Kreisfreiheit der Stadt entzieht.
Vier beispielhaft aufgeführte Städte, ähnliche Probleme, teils wenig wissensbasierte Diskussionsführung (inklusive teilweise ins Absurde abgleitende Kosten-Nutzen-Vergleiche mit dem Bus) und dennoch nicht nur effizient in der Personenbeförderung, hochmotiviert bei der Betriebsdurchführung, sondern auch Teil unserer Verkehrsgeschichte.
Helfen Sie bitte mit, auch diesen wertvollen Teil unseres Bahnsystems in Sachsen zu erhalten. In allen Orten gibt es sehr engagierte Vereine, Museen und Mitarbeiter, die gern mehr über die Geschichte und Gegenwart ihrer Straßenbahn erzählen wollen.
Glück Auf
21.10.2025