Editorial
Liebe Preß-Kurier-Leser,
am Morgen des 3. August 2026 war es nun endlich soweit: Der Bagger griff sich in Jöhstadt die erste Platte aus dem lokschuppenseitigen Giebel des Plattenbaus. In den Folgetagen änderte sich das Bild kontinuierlich – immer weniger Bauwerk, immer größer der Haufen an Betonbruch. Am 12. August fiel die zweite Giebelseite. Die Beseitigung der Überbleibsel des 1989/90 in Nutzung genommenen Bauwerks mit 33 Wohnungen wird bis in den September hinein andauern.
Es ist einmal mehr symptomatisch, dass für den Neuaufbau des Bahnhofes erst einmal die Altbebauung weichen musste. Seit 1990 stand dies auf dem Wunschzettel der Eisenbahnfreunde, seit 2013 mit Übernahme des Hauses in Vereinseigentum konnte direkt auf diesen Meilenstein hingearbeitet werden. Mehrere hundert Spender und mehr als 660 Vereinsmitglieder haben dazu beigetragen, diesen Schritt gehen zu können.
Dies ist das fünfte Bauwerk, das für die Wiederherstellung der Eisenbahn und den Aufbau der Anlagen fallen muss: die Halle auf dem Gelände des Bahnhofes in Schmalzgrube 1996, der Kindergarten auf dem Bahnhofsgelände Steinbach 1999, aber auch die Fabrikanlage (2002) und die Wohngebäuderuine (2010) am Standort der heutigen Ausstellungs- und Fahrzeughalle setzten kaum weniger wichtige Meilensteine bei der Preßnitztalbahn. Nun geht es weiter mit dem finalen Aufbau des Bahnhofes in Jöhstadt.
Die Sommer- und Reisezeit belegt das bestehende Interesse der Besucher an den Museums- und Touristikbahnen. Doch leiden immer mehr Projekte, Vereine und Bahnen im Bundesgebiet zunehmend deutlicher unter einem Rückgang aktiver Mitwirkender beim Erhalt und Betrieb der Anlagen. Dort, wo Freizeit und ehrenamtliches Engagement notwendig sind, um eine Attraktion am Laufen zu erhalten, steigt das Durchschnittsalter oftmals schneller als die Jahre ins Land gehen. Das ist ein gefährlicher gesellschaftlicher Trend, der nicht nur auf zu viel mögliche alternative Ablenkung, sondern auch auf zu wenig Orientierung und Fokussierung für konkrete Interessengebiete bei jungen Menschen zurückzuführen sein wird. Daran müssen sich alle Interessierten messen lassen, was sie selbst tun können, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Ansonsten sterben im Wortsinn viele attraktive und erhaltenswerte Plätze einfach aus.
Dass die Lage schon ernst ist, lässt sich aus unserer regelmäßigen Berichterstattung nicht ableiten, denn auch in diesem Heft berichten wir wieder von zahlreichen Aktivitäten und Erfolgen der Museen, Bahnen und Vereine. Nutzen Sie deshalb bitte die Sommer- und anstehenden Herbsttage, der nächsten Einrichtung oder Museumsbahn wieder einmal einen Besuch abzustatten. Das motiviert die dort Aktiven!
Glück Auf!
13.08.2026