Editorial
Liebe Preß-Kurier-Leser, ich möchte hier wieder einmal eine Lanze für mehr Zivilcourage, Empathie und auch Gelassenheit im Umgang mit anderen Menschen brechen. Worum geht es mir genau? Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn Anfang Februar hat für eine Welle der Empörung gesorgt, doch ob und wie lange die damit verbundene bekundete Betroffenheit anhält und nachwirkt, ist fraglich.
Im Betrieb von Dampfzügen, Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen kommen überwiegend Freiwillige zum Einsatz, die den Besuchern und Fahrgästen damit ihr persönliches Hobby präsentieren wollen. Kaum einer der im Einsatz befindlichen Schaffner, Fahrkartenverkäufer oder Servicemitarbeiter hat jedoch eine Ausbildung in Kundenbetreuung und Psychologie erhalten, um gezielt auf besondere Befindlichkeiten der Gäste eingehen oder potenziellen Eskalationen aus dem Weg gehen zu können. Das ist eine ungünstige Ausgangssituation, um der grassierenden „Ich zuerst“-Mentalität entgegenzutreten. Insbesondere unsere jungen unerfahrenen Diensttuenden können dadurch schnell in Konfliktsituationen geraten. Letztendlich gibt es keine Möglichkeit, die schon bei der DB nicht anwendbaren „Sicherheitskonzepte“ wie Body-Cam, Doppelbesetzungen oder Kampfsporttraining bei den Museumsbahnen und Sonderzugverkehren umzusetzen.
Was als Option übrig bleibt, ist vor allem der Appell an die Fahrgäste und Besucher für mehr Zivilcourage, um in Konflikten für Entspannung zu sorgen. Für mehr Empathie für die Aufgaben der Eisenbahner und Servicemitarbeiter sowie für eine große Portion Gelassenheit, wenn unerfüllte Erwartungen wie eine Blitzentladung auf den Nächstbesten (zumeist Unschuldigen) niederprasseln.
Meine persönliche Bitte: Helfen auch Sie mit, dass wir nicht über ein Eskalationsereignis der oben geschilderten Art bei einer von Ehrenamtlichen betriebenen Einrichtung berichten müssen, ebenso wenig wie nochmals bei einer mit hauptberuflich tätigen Eisenbahnern. Gelegenheiten für diese Art aktiver Unterstützung gibt es in den nächsten Monaten wieder reichlich, nach dem Winter starten nun aller Orten wieder die Fahr- und Öffnungstage. Wir haben in diesem Heft jede Menge Hinweise auf Veranstaltungen der Bahnen und Museen – und auch dort, wo Baugeschehen herrscht, freut man sich über Gäste und den Einwurf von Euros für die Fortsetzung der Arbeiten.
Nutzen Sie den Frühling, den Dampfeisenbahnen, Museen und Erinnerungsstätten für die Eisenbahn in Ihrer Nähe einen Besuch abzustatten und damit auch Unterstützung zu geben. Glück Auf
19.04.2026